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Stille.

Mein Platz auf der Bühne ist mit Kreide markiert.
Ich spüre den Zauber, der nur hier existiert.
Emotionen und Herzblut aus vergangenen Jahren,
all der Künstler und Gäste, die jemals hier waren.

Die Bühne noch dunkel, durch den Vorhang dringt Licht.
Ich höre euch flüstern, was ihr sagt weiß ich nicht.
Es knistert vor Spannung, genau das ist der Sinn.
Mein Herz, es schlägt rasend, gleich ist Showbeginn!

Wenn die Lichter im Saale dann endlich ausgehen,
bleibt für einen Moment nur mein Atem still stehen.
Man hört, wie die Stecknadeln sprichwörtlich fallen.
Der erste Beat des Intros sagt: „Willkommen euch allen!“

Ein Spot nach dem andern taucht mich in grellen Schein.
Die Augen geschlossen, atme ich nochmal tief ein.
Der Vorhang teilt sich, ihr schenkt mir Applaus.
Dieser Abend wird magisch, verlasst euch darauf!

Ich öffne die Augen, doch die Reihen sind leer.
Hier sind schon längst keine Zuschauer mehr.
Während in meinen Ohren die Musik noch nachhallt,
kriecht die Gänsehaut höher und mir wird eiskalt.

Ich kann euch nicht mehr in die Augen schaun.
Ohne euch vor der Bühne bleibt ein trauriger Clown
mit Erinnerung daran, wie es hier einmal war
und an einen Künstler, der mir ähnlich sah.

In meiner Eigenschaft als Zauberkünstler & Feuerartist (www.ver-zauberer.de) stehe ich normalerweise vor Menschen, die etwas zu feiern haben. Wie wir alle wissen, gibt es seit einiger Zeit nur noch eingeschränkte Möglichkeiten dafür… Da die freiberufliche Tätigkeit einen nicht unwesentlichen Teil meiner monatlichen Einnahmen ausmacht(e), hat „Corona“ auch bei mir bleibende Eindrücke hinterlassen… Am 22.03.2020 trat der erste Lockdown in Deutschland in Kraft. Anfang April 2021 habe ich zum Anlass des einjährigen „Jubiläums“ ein Gedicht verfasst und dieses auch in audiovisueller Version verarbeitet. In der Zwischenzeit gab es Hoffnung – Hoffnung, dass wir den härtesten Teil der Pandemie hinter uns haben. Inzwischen stecken wir mitten in der vierten Welle und eine weitere Weihnachtssaison – eine Hauptsaison für Kleinkünstler wie mich – muss ersatzlos gestrichen werden. Es ist also angebracht, mein Gedicht von Anfang des Jahres noch einmal „hochzuholen“ und auch hier, auf dieser Seite zu posten. Ist ja schließlich ein literarisches Werk 😉 Das Gedicht soll weniger wehklagend sein als man meinen könnte, vielmehr soll es beschreiben, was es mit einem Künstler macht, wenn er nicht mehr gebraucht wird. Aus „1 Jahr Stille“ wird nun „1 Jahr, 8 Monate, 17 Tage Stille“…

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