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Dreimal schwarzer Kater

Wann haben wir verlernt,
an Zauberer zu glauben?
Und ich meine schon die echten,
nicht die mit den Tauben.
Wir hatten „Ende 30“
uns anders vorgestellt –
jetzt geht’s nicht mehr um Träume,
es geht nur noch um Geld.

Einer meiner alten Leute
trägt inzwischen Maßanzug,
nach der Arbeit trinkt er Cocktails
auf ne Runde Selbstbetrug!
Und er schuftet 40 Jahre
für vier Wände und ein Dach;
alles was er so verpasst, das
holt er „irgendwann“ mal nach.
Wenn die Reise dann auf einmal
nicht mehr wirklich weiter geht,
kommt ein gut gelaunter Trainer,
der am Sprüche-Glücksrad dreht:
„Um dein bestes Ich zu finden,
musst du dich nur weiter schinden!“

Wann haben wir verlernt,
an Zauberer zu glauben?
Aber eher so wie Gandalf,
mit Adlern anstatt Tauben.
Wir hatten für das Leben
einen andern Plan –
wollten auf Entdeckungsreise
und jetzt fahr’n wir Achterbahn.

Und von einem sagen viele,
er verkauft sich unter Wert,
weil er weder Überholspur,
noch Porsche Boxster fährt.
Ich glaub nicht, dass er bauspart
oder Langzeitpläne hegt.
Ich glaub, dass er sich abends
einfach glücklich schlafen legt;
weil er Sänger seiner Band ist
und die besten Lieder schreibt –
weil vom Jobben an der Tanke
noch genug für Wacken bleibt.
Viele denken, das ist Stillstand,
doch ich glaub, dass er den Sinn fand.

Lasst uns wieder lernen,
an Zauberer zu glauben!
So mit „dreimal schwarzer Kater“,
aber ohne weiße Tauben.
Vielleicht fühlt sich „Anfang 40“
dann schon zauberhafter an,
weil man ohne all den Ballast,
wieder höher fliegen kann!